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Von Muner:
Im Oktober diesen Jahres wird das bereits fünfte Tomte-Album veröffentlicht. Nachdem Schlagzeuger Timo Bodenstein (seit 1994 bei Tomte) im Januar 2008 die Band verlassen hat, verbleibt Thees Uhlmann allerdings als letztes "Urgestein" aus den Anfangsjahren der Bandgeschichte. Die Aufnahmen zur ersten EP bestritt die Band einst als Trio. Neben Bodenstein und Uhlmann war damals noch Christian "Stemmi" Stemmann mit von der Partie. Die mit "Blinkmuffel" betitelte 7" EP wurde 1996 in einer Auflage von knapp 1000 durchnummerierten Exemplaren hergestellt und von Tomte im Eigenvertrieb veröffentlicht. Zwischenzeitlich wurde zwar ein Re-Release der seit langem ausverkauften EP angestrebt, die Idee verlief sich jedoch im Sand und so lässt eine Wiederveröffentlichung bis heute auf sich warten.
Im Rahmen der Aufnahmen zu "Blinkmuffel" wurden insgesamt elf Songs eingespielt, vier davon schafften es letztlich auf die EP. Aufgenommen wurden die Stücke im April 1996 mit einer Achtspurmaschine von Stemmi. Gemischt wurden sie einige Wochen später in Uhlmann´s Keller. Einer der Songs, die nicht für die EP ausgewählt wurden, erblickte dennoch das Licht der Welt: "Der Egoistê".
In den ersten Tomte-Jahren wechselten sich Uhlmann und Stemmi beim Gesang ab. „Wer den Text geschrieben hat, singt den Song. Eine Art ungeschriebenes, nie beschlossenes Gesetz.“ wie Stemmi es einmal beschrieb. Bei „Der Egoistê“ übernimmt Stemmi die Erststimme sowie den Gitarrenpart. Uhlmann spielt Bass und ist zum Teil in der Zweitstimme zu hören.
Zu finden ist das Lied auf der Heft-CD des Komm Küssen Fanzines #1. Die erste Ausgabe des selbsternannten "Magazin für Sex, Musik & Prügeleien" erschien 1996. Es folgten weitere sechs Ausgaben. Mit Ausnahme des Komm Küssen #6 enthielt jede Ausgabe einen CD-Sampler als Beilage. Auf der „Komm Küssen Kompilation #1 – Wir meinen es ehrlich“ sind neben Tomte beispielsweise auch die Sportfreunde Stiller, die sich damals noch schlicht "Stiller" nannten, sowie Bum Khun Cha Youth vertreten. Linus Volkmann, Gründer von Bum Khun Cha Youth, war neben Christoph Koch, Michael Brandes und Ivo Schweikhart einer der Macher des Fanzines. Komm Küssen lebt bis heute in Form einer Party-Reihe in der Münsteraner Luna Bar weiter. Seit 2006 gibt es die Komm Küssen Indie-Disco auch in wechselnden Locations in Dortmund.
Tomte - Der Egoistê (1996)
Weiterhören und kaufen:
* Der logische Weg zum Weiterhören geht von "Der Egoistê"/"Blinkmuffel" hin zum fantastischen ersten Album "Du weißt, was ich meine". Ansonsten sei natürlich jedem, der noch nicht im Besitz des vollständigen Tomte-Backcatalogues ist, eben dieser ans Herz gelegt. Dabei lässt sich im Prinzip nichts falsch machen, denn jedes einzelne Album besticht auf seine ganz eigene, brillante Art und Weise. Kaufen: ghvc.de
* Stemmi hat Tomte 2001 verlassen und sieben Jahre nach seinem Ausstieg endlich sein erstes Soloalbum "Weiß: Der Himmel" veröffentlicht. Erschienen ist es im Februar 2008 auf seinem eigenen Label Tummetott Tonträger. Das wundervolle Video zu „Bis Zehn“ kann man sich hier ansehen. Kaufen: tummetott.de
(Text: Muner)
Donnerstag, 17. Juli 2008
Mittwoch, 4. Juni 2008
The Town Of Machine - Zelluloid
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Von Gastautor Basti:
The Town of Machine sind die Nachfolge-Band der norddeutschen Screamo/Hardcore-Gruppe Jet Black. Jet Black gab es fast sechs Jahre. Sie gründeten sich 1999 in Delmenhorst und spielten ihr Abschiedskonzert 2006 am 1. April in Bremen. Ihr Output war recht übersichtlich: sie veröffentlichten zeitlebens eine 7-inch-Single. Mehr oder weniger zeitgleich mit der Auflösung brachten sie mit der 6-Track langen „The Dead End"-LP ihr Vermächtnis auf dem Punk/Hardcore-Label „Unterm Durchschnitt" heraus.
Die Nachfolge treten nun The Town of Machine an, die genau dort weiter machen, wo Jet Black aufhörten. Melodiöser und krachiger Hardcore, mit englischen und deutschen Texten. Eine starke Stimme zwischen verzweifeltem Geschrei, rauem Gesang und ruhigen Momenten. Es sind rumpelige Post-Hardcore-Hymnen.
Zu finden auf dem 2007 veröffentlichten und längst ausverkauften Demo. Darauf enthalten waren drei Songs im „ordentlichen Proberaumsound". Es existierten bloß 50 Exemplare. Auf der MySpace-Seite der Band lassen sich alle Songs anhören und „Hiding behind Windows" auch downloaden.
Besonders hervorzuheben ist aber der Song „Zelluloid", der haargenau zeigt, was The Town of Machine ausmacht. Die unrunden Melodien, die emopunkigen Gitarren, die einprägsamen Stimmen. Und der Mut zum Pop, wie er im Hardcore selten ist. Wenn die wild ausschlagenden Gitarren auf einmal zurückstecken und sich ruhig in den Hintergrund stellen, um den Gesang noch größer wirken zu lassen, der auf einmal Unterstützung von einer wundervollen Frauenstimme erhält, und Texte hervorbringt wie „sie beginnen zu erzählen: von menschen und von ideen. wie sie kommen und wie sie gehen. und jetzt kannst du sie hören: die schritte alter freunde, die sich von draußen nähern", dann ist das wirklich fantastisch. Ein zärtliches Duett, mitten im Chaos. So fremd und doch so passend, als könnte es nirgendwo anders stehen.
Es ist die Fortführung dessen, was in den 90er Jahren als Screamo bekannt war, lange bevor der Begriff von Bands wie Underoath und Co. mit neuen Inhalten gefüllt wurde.
Jet Black benannten sich einst nach dem gleichnamigen Song von Jawbreaker. The Town of Machine ließen sich bei der Namensfindung von Jim Jarmuschs Film „Dead Man" inspirieren. Man darf gespannt sein, was die Zukunft für The Town of Machine und ihren „Ausm-Bauch-Emopunk" (Flyer) bringt. Im April diesen Jahres gab es einen Besetzungswechsel am Bass. Von den drei Ex-Jet-Black-Mitgliedern sind jetzt noch zwei übrig. Für den Herbst ist die Veröffentlichung einer 7-inch anvisiert. Über kurz oder lang plant man eine Split-LP.
The Town Of Machine: Zelluloid (2007)
Weiterhören:
* Das Vermächtnis der Vorgängerband Jet Black: „The Dead End". Erhältlich auf Vinyl und CD über "Unterm Durchschnitt" (www.unterm-durchschnitt.de)
* Der Re-Release der bereits ausverkauften 7inch. Vier Tracks, nur auf Vinyl erschienen. Inklusive des Songs "und wir wussten es besser"
* Sowie die erste Veröffentlichung der befreundeten Alkoholpunks Peters, die ihren Labelkollegen Jet Black auf der 7inch „17,73 cm Strukturanalyse" ähnlicher klangen, als auf ihrem aktuellen, aber nicht minder empfehlenswerten Album „Auffallen durch Umfallen"
Kaufen: kann man all das beim Online-Mailorder
Von Gastautor Basti:
The Town of Machine sind die Nachfolge-Band der norddeutschen Screamo/Hardcore-Gruppe Jet Black. Jet Black gab es fast sechs Jahre. Sie gründeten sich 1999 in Delmenhorst und spielten ihr Abschiedskonzert 2006 am 1. April in Bremen. Ihr Output war recht übersichtlich: sie veröffentlichten zeitlebens eine 7-inch-Single. Mehr oder weniger zeitgleich mit der Auflösung brachten sie mit der 6-Track langen „The Dead End"-LP ihr Vermächtnis auf dem Punk/Hardcore-Label „Unterm Durchschnitt" heraus.
Die Nachfolge treten nun The Town of Machine an, die genau dort weiter machen, wo Jet Black aufhörten. Melodiöser und krachiger Hardcore, mit englischen und deutschen Texten. Eine starke Stimme zwischen verzweifeltem Geschrei, rauem Gesang und ruhigen Momenten. Es sind rumpelige Post-Hardcore-Hymnen.
Zu finden auf dem 2007 veröffentlichten und längst ausverkauften Demo. Darauf enthalten waren drei Songs im „ordentlichen Proberaumsound". Es existierten bloß 50 Exemplare. Auf der MySpace-Seite der Band lassen sich alle Songs anhören und „Hiding behind Windows" auch downloaden.
Besonders hervorzuheben ist aber der Song „Zelluloid", der haargenau zeigt, was The Town of Machine ausmacht. Die unrunden Melodien, die emopunkigen Gitarren, die einprägsamen Stimmen. Und der Mut zum Pop, wie er im Hardcore selten ist. Wenn die wild ausschlagenden Gitarren auf einmal zurückstecken und sich ruhig in den Hintergrund stellen, um den Gesang noch größer wirken zu lassen, der auf einmal Unterstützung von einer wundervollen Frauenstimme erhält, und Texte hervorbringt wie „sie beginnen zu erzählen: von menschen und von ideen. wie sie kommen und wie sie gehen. und jetzt kannst du sie hören: die schritte alter freunde, die sich von draußen nähern", dann ist das wirklich fantastisch. Ein zärtliches Duett, mitten im Chaos. So fremd und doch so passend, als könnte es nirgendwo anders stehen.
Es ist die Fortführung dessen, was in den 90er Jahren als Screamo bekannt war, lange bevor der Begriff von Bands wie Underoath und Co. mit neuen Inhalten gefüllt wurde.
Jet Black benannten sich einst nach dem gleichnamigen Song von Jawbreaker. The Town of Machine ließen sich bei der Namensfindung von Jim Jarmuschs Film „Dead Man" inspirieren. Man darf gespannt sein, was die Zukunft für The Town of Machine und ihren „Ausm-Bauch-Emopunk" (Flyer) bringt. Im April diesen Jahres gab es einen Besetzungswechsel am Bass. Von den drei Ex-Jet-Black-Mitgliedern sind jetzt noch zwei übrig. Für den Herbst ist die Veröffentlichung einer 7-inch anvisiert. Über kurz oder lang plant man eine Split-LP.
The Town Of Machine: Zelluloid (2007)
Weiterhören:
* Das Vermächtnis der Vorgängerband Jet Black: „The Dead End". Erhältlich auf Vinyl und CD über "Unterm Durchschnitt" (www.unterm-durchschnitt.de)
* Der Re-Release der bereits ausverkauften 7inch. Vier Tracks, nur auf Vinyl erschienen. Inklusive des Songs "und wir wussten es besser"
* Sowie die erste Veröffentlichung der befreundeten Alkoholpunks Peters, die ihren Labelkollegen Jet Black auf der 7inch „17,73 cm Strukturanalyse" ähnlicher klangen, als auf ihrem aktuellen, aber nicht minder empfehlenswerten Album „Auffallen durch Umfallen"
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Dienstag, 27. Mai 2008
The Strokes feat. Regina Spektor - Modern Girls And Old Fashion Men
Als The Strokes Anfang 2001 mit ihrer „Modern Age EP“ auf den Plan traten, erschütterten sie die Musikwelt. Nach langen Jahren öder Regierung durch Limp Bizkit oder Travis war aus dem Nichts endlich eine Band am Start, die wieder die Welt bedeuten konnte.
Bereits nach der EP-Veröffentlichung (die im übrigen ein unbearbeitetes Demo war, das die Band an Rough Trade UK geschickt hatte) setzte der NME in einem seiner größten Momente der letzten 15 Jahre die Strokes mit einem schwarz-weiß Bild im Last-Gang-In-Town-Style auf das Cover und titelte: „The Strokes – Why New York’s Finest Will Change Your Live. Forever“.
Und wie sie recht hatten: The Strokes waren endlich wieder eine Band, die eine Zeitenteilung vornahm – es gibt die Jahre „vor den Strokes“ und die Jahre „nach den Strokes“. Die Garagepunkexplosion, die sie gemeinsam mit den Freunden von den White Stripes lostraten, sollte noch Jahre nachhallen. Indirekt bereiteten sie den Weg sowohl für die wichtigste britische Band seit den Stone Roses, den Libertines, wie sie auch über die ebenfalls befreundeten Yeah Yeah Yeahs den Post-Punk - und damit den Sound der letzten Jahre - beförderten.
Nachdem das Debüt „Is This It“ allerorten in einer Einmütigkeit - zurecht - gefeiert wurde wie man es selten erlebt hat (allein die Jahrescharts: Nummer 1 bei NME, Spex, Intro, Nummer 2 bei Rolling Stone, Musikexpress, Visions), stellte sich bei Album Nummer Zwei natürlich das Stone-Roses-Problem: wie wird man diesen Erwartungen nach so einem Debüt nur um alles in der Welt gerecht?
Die Strokes entschieden sich dezidiert gegen den Weg Richtung Pop und veröffentlichten mit „Room On Fire“ noch einmal ein ebenso spartanisch produziertes Album, das auf Background-Vocals oder große Refrains verzichtet und dem Minimalismus erneut den Vorzug gibt. Die Soundpalette hatte sich dennoch erweitert und Julian Casablancas von Reggaerhythmen („Automatic Stop“) über 60ies Soul („Under Control“) und New Wave (erste Single „12.51“) weitere Stilrichtungen in den Strokes-Sound integriert. Doch nur die zweite Single „Reptilia“, die sicherlich das härteste und kompakteste Lied darstellt, das die Strokes bis dahin produzierten (und so ein Hinweis war, wohin die Strokes mit „Juicebox“ einige Jahre später gehen würden), wurde ähnlich euphorisch wie das Debüt-Album aufgenommen.

Das Außergewöhnlichste war allerdings auf der b-Seite der Reptilia-Single (in Deutschland leider out of print) finden: ein Duett mit der damals noch recht unbekannten New Yorker Singer/Songwriterin Regina Spektor. „Modern Girls and Old Fashion Men“ hat natürlich wieder den üblichen Strokes-Sound, der in der Produktion an die 60er und 70er erinnert, aber klingt dank der weiblichen Vocals von Regina Spektor, die mit Julian Casablancas den Song im Zwiegespräch bestreitet, doch überraschend ungewöhnlich. Auch das Gitarrenspiel entfernt sich von den üblichen Strokes-Referenzen und erinnert mehr an The Smiths oder – dieses Mal tatsächlich! – Television.
Eine nette kleine Anekdote am Rande: Julian Casablancas ließ damals die erste Produktion des Single-Covers wieder einstampfen, weil er nicht wollte, dass der Song als „The Strokes featuring Regina Spektor“ veröffentlicht wird, sondern dass Miss Spektor im Mittelpunkt stehen sollte und die Strokes als Ehrerbietung nur als ihre Begleitband genannt werden. Deshalb ist auf dem offiziellen Single-Cover nun stattdessen „Regina Spektor And The Strokes“ zu lesen.
Weiterhören:
* Natürlich das Debütalbum der Strokes "Is This It", das immer noch die beeindruckendste Platte dieses Jahrzehnts ist.
* Aber auch Album Nummer zwei, „Room On Fire“, aus dem die A-Seite „Reptilia“ als zweite Single ausgekoppelt wurde, ist hervorragend und unverständlicherweise ziemlich unterschätzt.
Bereits nach der EP-Veröffentlichung (die im übrigen ein unbearbeitetes Demo war, das die Band an Rough Trade UK geschickt hatte) setzte der NME in einem seiner größten Momente der letzten 15 Jahre die Strokes mit einem schwarz-weiß Bild im Last-Gang-In-Town-Style auf das Cover und titelte: „The Strokes – Why New York’s Finest Will Change Your Live. Forever“.
Und wie sie recht hatten: The Strokes waren endlich wieder eine Band, die eine Zeitenteilung vornahm – es gibt die Jahre „vor den Strokes“ und die Jahre „nach den Strokes“. Die Garagepunkexplosion, die sie gemeinsam mit den Freunden von den White Stripes lostraten, sollte noch Jahre nachhallen. Indirekt bereiteten sie den Weg sowohl für die wichtigste britische Band seit den Stone Roses, den Libertines, wie sie auch über die ebenfalls befreundeten Yeah Yeah Yeahs den Post-Punk - und damit den Sound der letzten Jahre - beförderten.
Nachdem das Debüt „Is This It“ allerorten in einer Einmütigkeit - zurecht - gefeiert wurde wie man es selten erlebt hat (allein die Jahrescharts: Nummer 1 bei NME, Spex, Intro, Nummer 2 bei Rolling Stone, Musikexpress, Visions), stellte sich bei Album Nummer Zwei natürlich das Stone-Roses-Problem: wie wird man diesen Erwartungen nach so einem Debüt nur um alles in der Welt gerecht?
Die Strokes entschieden sich dezidiert gegen den Weg Richtung Pop und veröffentlichten mit „Room On Fire“ noch einmal ein ebenso spartanisch produziertes Album, das auf Background-Vocals oder große Refrains verzichtet und dem Minimalismus erneut den Vorzug gibt. Die Soundpalette hatte sich dennoch erweitert und Julian Casablancas von Reggaerhythmen („Automatic Stop“) über 60ies Soul („Under Control“) und New Wave (erste Single „12.51“) weitere Stilrichtungen in den Strokes-Sound integriert. Doch nur die zweite Single „Reptilia“, die sicherlich das härteste und kompakteste Lied darstellt, das die Strokes bis dahin produzierten (und so ein Hinweis war, wohin die Strokes mit „Juicebox“ einige Jahre später gehen würden), wurde ähnlich euphorisch wie das Debüt-Album aufgenommen.

Das Außergewöhnlichste war allerdings auf der b-Seite der Reptilia-Single (in Deutschland leider out of print) finden: ein Duett mit der damals noch recht unbekannten New Yorker Singer/Songwriterin Regina Spektor. „Modern Girls and Old Fashion Men“ hat natürlich wieder den üblichen Strokes-Sound, der in der Produktion an die 60er und 70er erinnert, aber klingt dank der weiblichen Vocals von Regina Spektor, die mit Julian Casablancas den Song im Zwiegespräch bestreitet, doch überraschend ungewöhnlich. Auch das Gitarrenspiel entfernt sich von den üblichen Strokes-Referenzen und erinnert mehr an The Smiths oder – dieses Mal tatsächlich! – Television.
Eine nette kleine Anekdote am Rande: Julian Casablancas ließ damals die erste Produktion des Single-Covers wieder einstampfen, weil er nicht wollte, dass der Song als „The Strokes featuring Regina Spektor“ veröffentlicht wird, sondern dass Miss Spektor im Mittelpunkt stehen sollte und die Strokes als Ehrerbietung nur als ihre Begleitband genannt werden. Deshalb ist auf dem offiziellen Single-Cover nun stattdessen „Regina Spektor And The Strokes“ zu lesen.
Weiterhören:
* Natürlich das Debütalbum der Strokes "Is This It", das immer noch die beeindruckendste Platte dieses Jahrzehnts ist.
* Aber auch Album Nummer zwei, „Room On Fire“, aus dem die A-Seite „Reptilia“ als zweite Single ausgekoppelt wurde, ist hervorragend und unverständlicherweise ziemlich unterschätzt.
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Dienstag, 20. Mai 2008
Blur feat. Francoise Hardy - To The End (La Comedie) = french version
Es gibt wohl wenige britische Musiker, die so viele Genres mit derart viel Erfolg und Leichtigkeit durchspielten wie Blur-Frontmann Damon Albarn. Betrachtet man die frühe Blur-Geschichte von Madchester-Bandwagonjumper zu Britischen Traditionalisten scheinen zwei Songs zentral, um den späteren Albarn-Werdegang verstehen zu können.
Zwischen den beiden ersten Alben veröffentlichten Blur „Popscene“, einen großartigen amerikaverachtenden metallischen Punksong, der kommerziell derart übel floppte, dass die Band beinahe daran zerbrochen wäre. Albarn reagierte darauf in zwei gegensätzliche Richtungen: zum einen wandte er sich vom „Popscene“-Sound ab und ging in Richtung klassischen 60ies-Pop der Kinks („For Tomorrow“), zum anderen verstärkte er das Amerikaressentiment, das in „Popscene“ bereits vorherrschte, zum dominierenden Element Blurs. Die britische Phase begann.
Als mit „Parklife“ Album Nummer zwei dieser Phase erschien und so das Massenphänomen Brit-Pop geboren wurde, hatte Albarn seine Fähigkeit, Pop-Songs zu schreiben, perfektioniert. Von „Girls & Boys“ zu „Parklife“ war das Album randvoll mit potentiellen Singles.
Doch gerade die zweite Single „To The End“ deutete erstmals auf eine völlig andere Qualität Albarns hin. Er konnte nicht nur die schnellen Punkrotzer und die guten Kinks-Plagiate schreiben, nicht nur den quirky Popsong und das New Order Zitat heraushauen, nein, in „To The End“ (und auch „This Is A Low“) war erstmals eine world weariness in seiner Stimme zu hören, die die späteren Blur-Alben und das The Good, The Bad & The Queen Projekt bestimmen sollte.
„To The End“ geht dabei den ganzen Weg: Streicher, die großen Emotionen, der weibliche Gaststar, das wunderbare schwarz-weiß Video…
Bei der „Parklife“-Originalaufnahme übernimmt die weibliche Gaststimme Lætitia Sadier (Stereolab). Sadier singt dabei den französischen Refrain, während Albarn die englischsprachigen Verse übernimmt.
Doch es existiert eine andere Version des gleichen Songs, der sich noch weiter von der Indie-Song-Idee entfernt und den Streichern mehr Raum gibt. Interessanterweise versucht sich Damon Albarn nun auch selbst im französischen Text und die Gastsängerin wurde ebenfalls ausgetauscht: Francoise Hardy, die Göttin des französischen Chansons der 60er, übernahm den Sadier-Part und „To The End“ wird endgültig zu einem Song, den kein Suede, kein Oasis, Ocean Colour Scene - oder welcher Brit-Pop-Zeitgenosse auch immer - je hätte aufnehmen können. „To The End (La Comedie)“, wie die hier vorgestellte Version offiziell heißt, wurde 1995 als b-Seite von Blurs größtem Triumph und Beginn vom Ende ihrer britischen Phase „Country House“ veröffentlicht (ist leider derzeit auch out of print).
Beachtenswert ist im Übrigen auch das Video (zur Original-Version):
Blur spielen hier – teilweise in einem shot-by-shot-Remake – in einer Dreiminutenversion den Klassiker des französischen Avantgarde-Films „Letztes Jahr in Marienbad“ (1961) von Alain Resnais nach, der jedem im Übrigen wärmstens ans Herz gelegt wird und eine Filmerfahrung darstellt wie es wenige in der Geschichte des Kinos gibt.
Weiterhören:
* Das Mutteralbum des Originalsongs "Parklife", das immer noch das wichtigste Statement der Brit-Pop-Ära ist
* Albarns jüngstes Projekt The Good, The Bad & The Queen, mit dem er das beste Album 2007 aufgenommen hat.
Zwischen den beiden ersten Alben veröffentlichten Blur „Popscene“, einen großartigen amerikaverachtenden metallischen Punksong, der kommerziell derart übel floppte, dass die Band beinahe daran zerbrochen wäre. Albarn reagierte darauf in zwei gegensätzliche Richtungen: zum einen wandte er sich vom „Popscene“-Sound ab und ging in Richtung klassischen 60ies-Pop der Kinks („For Tomorrow“), zum anderen verstärkte er das Amerikaressentiment, das in „Popscene“ bereits vorherrschte, zum dominierenden Element Blurs. Die britische Phase begann.
Als mit „Parklife“ Album Nummer zwei dieser Phase erschien und so das Massenphänomen Brit-Pop geboren wurde, hatte Albarn seine Fähigkeit, Pop-Songs zu schreiben, perfektioniert. Von „Girls & Boys“ zu „Parklife“ war das Album randvoll mit potentiellen Singles.
Doch gerade die zweite Single „To The End“ deutete erstmals auf eine völlig andere Qualität Albarns hin. Er konnte nicht nur die schnellen Punkrotzer und die guten Kinks-Plagiate schreiben, nicht nur den quirky Popsong und das New Order Zitat heraushauen, nein, in „To The End“ (und auch „This Is A Low“) war erstmals eine world weariness in seiner Stimme zu hören, die die späteren Blur-Alben und das The Good, The Bad & The Queen Projekt bestimmen sollte.
„To The End“ geht dabei den ganzen Weg: Streicher, die großen Emotionen, der weibliche Gaststar, das wunderbare schwarz-weiß Video…
Bei der „Parklife“-Originalaufnahme übernimmt die weibliche Gaststimme Lætitia Sadier (Stereolab). Sadier singt dabei den französischen Refrain, während Albarn die englischsprachigen Verse übernimmt.
Doch es existiert eine andere Version des gleichen Songs, der sich noch weiter von der Indie-Song-Idee entfernt und den Streichern mehr Raum gibt. Interessanterweise versucht sich Damon Albarn nun auch selbst im französischen Text und die Gastsängerin wurde ebenfalls ausgetauscht: Francoise Hardy, die Göttin des französischen Chansons der 60er, übernahm den Sadier-Part und „To The End“ wird endgültig zu einem Song, den kein Suede, kein Oasis, Ocean Colour Scene - oder welcher Brit-Pop-Zeitgenosse auch immer - je hätte aufnehmen können. „To The End (La Comedie)“, wie die hier vorgestellte Version offiziell heißt, wurde 1995 als b-Seite von Blurs größtem Triumph und Beginn vom Ende ihrer britischen Phase „Country House“ veröffentlicht (ist leider derzeit auch out of print).
Beachtenswert ist im Übrigen auch das Video (zur Original-Version):
Blur spielen hier – teilweise in einem shot-by-shot-Remake – in einer Dreiminutenversion den Klassiker des französischen Avantgarde-Films „Letztes Jahr in Marienbad“ (1961) von Alain Resnais nach, der jedem im Übrigen wärmstens ans Herz gelegt wird und eine Filmerfahrung darstellt wie es wenige in der Geschichte des Kinos gibt.
Weiterhören:
* Das Mutteralbum des Originalsongs "Parklife", das immer noch das wichtigste Statement der Brit-Pop-Ära ist
* Albarns jüngstes Projekt The Good, The Bad & The Queen, mit dem er das beste Album 2007 aufgenommen hat.
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Montag, 5. Mai 2008
Boy Division - Love Will Tear Us Apart
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"Hamburgs bestgekleidete Coverband" mag wie ein Joy Division Tribute-Act aus der Gay-Szene klingen, doch mit den großen Depressiven aus Manchester als Referenzpunkt allein geben sie sich nicht zufrieden.
Boy Division spielen tatsächlich nur Cover. Eine Coverband? Die Gedanken driften zu Volksfest-Combos, zu Tribute-Mimikry, zu Bierseligkeit und Schunkeleien, doch genau diese Assoziationskette wird von Boy Division genüsslich durchbrochen.
Welche Coverband „singt“ denn auch ausschließlich durch ein Megaphon? Wer bastelt sich sein Schlagzeug aus einem Barhocker, zwei alten, zerbrechlichen Becken und einem Blecheimer?
Der heute vorgestellte Song „Love Will Tear Us Apart“ dürfte zu den meistgecoverten Liedern der Indiegeschichte gehören, aber Boy Division erreichen durch Reduktion und Noise tatsächlich, das Ding zu etwas neuem, anderen zu machen. Gerade die Respektlosigkeit wie hier mit einem Song umgegangen wird, der längst in jeden Kanon der modernen Pophistorie aufgenommen wurde, und die Verweigerung, sich in dessen Melancholie und Düsternis zu suhlen, hebt Boy Divisions Version von allen anderen Covern ab: they are putting the Joy into Joy Division.
So sehr Boy Division natürlich auch mit einem „Geniale Dilletanten“ Label spielen, sind sie bei allem Chaos doch handwerklich ohne Zweifel Profis: nicht umsonst spielt Kantes Chefgitarrist und Sport-Mastermind Felix Müller bei Boy Division Gitarre. So ist die Plattenaufnahme von „Love Will Tear Us Apart“ bei allem ewig herrschenden Durcheinander trotzdem geordneter als ein Liveauftritt der Band, was zweierlei Vorteile hat: zum ersten ist der Song über das reine Idee hinaus tatsächlich anhörbar und kickt Arsch ohne Ende und zweitens bleibt trotzdem die Notwendigkeit bestehen, die Hamburger live zu sehen. Denn erst dort entwickelt sich aus dem Konzept eine Party, wird der Gig zur Performance-Kunst.
* Boy Division: "Love Will Tear Us Apart" (2002)
* Homepage
Kaufen:
* auf dem Sampler "Bis auf weiteres eine Demonstration - Geräusche Für Den Tag Danach" des ZickZack-Labels erhältlich: kaufen
"Hamburgs bestgekleidete Coverband" mag wie ein Joy Division Tribute-Act aus der Gay-Szene klingen, doch mit den großen Depressiven aus Manchester als Referenzpunkt allein geben sie sich nicht zufrieden.
Boy Division spielen tatsächlich nur Cover. Eine Coverband? Die Gedanken driften zu Volksfest-Combos, zu Tribute-Mimikry, zu Bierseligkeit und Schunkeleien, doch genau diese Assoziationskette wird von Boy Division genüsslich durchbrochen.
Welche Coverband „singt“ denn auch ausschließlich durch ein Megaphon? Wer bastelt sich sein Schlagzeug aus einem Barhocker, zwei alten, zerbrechlichen Becken und einem Blecheimer?
Der heute vorgestellte Song „Love Will Tear Us Apart“ dürfte zu den meistgecoverten Liedern der Indiegeschichte gehören, aber Boy Division erreichen durch Reduktion und Noise tatsächlich, das Ding zu etwas neuem, anderen zu machen. Gerade die Respektlosigkeit wie hier mit einem Song umgegangen wird, der längst in jeden Kanon der modernen Pophistorie aufgenommen wurde, und die Verweigerung, sich in dessen Melancholie und Düsternis zu suhlen, hebt Boy Divisions Version von allen anderen Covern ab: they are putting the Joy into Joy Division.
So sehr Boy Division natürlich auch mit einem „Geniale Dilletanten“ Label spielen, sind sie bei allem Chaos doch handwerklich ohne Zweifel Profis: nicht umsonst spielt Kantes Chefgitarrist und Sport-Mastermind Felix Müller bei Boy Division Gitarre. So ist die Plattenaufnahme von „Love Will Tear Us Apart“ bei allem ewig herrschenden Durcheinander trotzdem geordneter als ein Liveauftritt der Band, was zweierlei Vorteile hat: zum ersten ist der Song über das reine Idee hinaus tatsächlich anhörbar und kickt Arsch ohne Ende und zweitens bleibt trotzdem die Notwendigkeit bestehen, die Hamburger live zu sehen. Denn erst dort entwickelt sich aus dem Konzept eine Party, wird der Gig zur Performance-Kunst.
* Boy Division: "Love Will Tear Us Apart" (2002)
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Dienstag, 22. April 2008
Del Shannon - New Orleans (Mardi Gras)
Heute mit Steph als Gastautor:
Falls irgendwo noch eine Time-Life-Compilation mit den größten Hits der 60er rumfliegt, einer ist immer drauf: Del Shannon. Mit Runaway hatte er gleich am Anfang des Jahrzehnts einen großen (und seinen größten) Hit. Relativ schnell verschwand Shannon dann in der Versenkung.
Völlig zu Unrecht, wenn man sich seine späteren Platten anschaut. Einem tollen Hank-Williams-Tribute folgte 68 dann "The Further Adventures Of Charles Westover". Dieses steht neben den ganz großen Alben der ausgehenden 60er-Jahre. "Pet Sounds", "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band", "The Further Adventures Of Charles Westover". Könnte man sagen: Zwei sind geblieben, eins ging unter.
Obwohl auch hier alles dabei ist. Rückwärtslaufende Tonspuren, Streicher, Chöre und mittendrin Del Shannon. New Orleans (Mardi Gras) mit dem auslaufenden Loop hätte so auch auf "Sgt. Pepper's" stehen können. "Have you been down there? It's not the same down there. Since you're not here in New Orleans". Für die neuen Abenteuer von Westover, so Shannon's Geburtsname, interessierte sich jedoch niemand. Er produzierte Brian Hyland, verfiel in Depression und wurde alkoholkrank. Ende der 80er stand er dann kurz vor einem erneuten Comeback. Tom Petty nahm den auf dem Oldie-Zirkus verlorenen Shannon unter seine Fittiche. Shannon sollte bei den Travelling Wilburys der Nachfolger von Roy Orbinson werden und nahm ein neues Album auf. Der Produzent: Jeff Lynne. Zwar wurde "Rock On" noch veröffentlicht, aber Shannon erlebte die Veröffentlichung nicht mehr. Am 8.Februar 1990 beging er Selbstmord. Durch Prozac ausgelöst, so heißt es, kehrten seine Depressionen zurück. Travelling Wilburys Vol.II wurde nie veröffentlicht, Rock On sein letztes Album wurde durch die Lynne-Produktion unhörbar, doch "The Further Adventures Of Charles Westover" bleiben. Hier: New Orleans (Mardi Gras). (steph)
Kaufen:
* leider derzeit out of print
Falls irgendwo noch eine Time-Life-Compilation mit den größten Hits der 60er rumfliegt, einer ist immer drauf: Del Shannon. Mit Runaway hatte er gleich am Anfang des Jahrzehnts einen großen (und seinen größten) Hit. Relativ schnell verschwand Shannon dann in der Versenkung.
Völlig zu Unrecht, wenn man sich seine späteren Platten anschaut. Einem tollen Hank-Williams-Tribute folgte 68 dann "The Further Adventures Of Charles Westover". Dieses steht neben den ganz großen Alben der ausgehenden 60er-Jahre. "Pet Sounds", "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band", "The Further Adventures Of Charles Westover". Könnte man sagen: Zwei sind geblieben, eins ging unter.
Obwohl auch hier alles dabei ist. Rückwärtslaufende Tonspuren, Streicher, Chöre und mittendrin Del Shannon. New Orleans (Mardi Gras) mit dem auslaufenden Loop hätte so auch auf "Sgt. Pepper's" stehen können. "Have you been down there? It's not the same down there. Since you're not here in New Orleans". Für die neuen Abenteuer von Westover, so Shannon's Geburtsname, interessierte sich jedoch niemand. Er produzierte Brian Hyland, verfiel in Depression und wurde alkoholkrank. Ende der 80er stand er dann kurz vor einem erneuten Comeback. Tom Petty nahm den auf dem Oldie-Zirkus verlorenen Shannon unter seine Fittiche. Shannon sollte bei den Travelling Wilburys der Nachfolger von Roy Orbinson werden und nahm ein neues Album auf. Der Produzent: Jeff Lynne. Zwar wurde "Rock On" noch veröffentlicht, aber Shannon erlebte die Veröffentlichung nicht mehr. Am 8.Februar 1990 beging er Selbstmord. Durch Prozac ausgelöst, so heißt es, kehrten seine Depressionen zurück. Travelling Wilburys Vol.II wurde nie veröffentlicht, Rock On sein letztes Album wurde durch die Lynne-Produktion unhörbar, doch "The Further Adventures Of Charles Westover" bleiben. Hier: New Orleans (Mardi Gras). (steph)
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Thee Headcoats - Punk Rock Ist Nicht Tot
Thee Headcoats ist einer der vielen Bandnamen unter denen die britische Independent Legende „Wild“ Billy Childish Platten veröffentlichte. Strikt dem Do-It-Yourself-Gedanken verbunden spielt Childish seit der großen Punkexplosion in einer Band nach der anderen. Angefangen mit den Pop Rivets über Thee Headcoats bis zu Buff Medways veröffentlichte er – angeblich – mehr als 100 Platten und Singles in den letzten drei Jahrzehnten. Genau nachzuprüfen ist das kaum, denn Childish ist so indie, dass selbst Discogs.com erst jüngst seine Datenbank um das Childish-Universum zu erweitern begann - nur um den Kindern des Internets einmal eine Messlatte in die Hand zu drücken.
Punk Rock Ist Nicht Tot, also. Bei Childish mit Sicherheit nicht. Als ich vor einigen Wochen bei ByteFM Childishs „Fun In The UK“ direkt hinter dem Punksong schlechthin „Anarchy In The UK“ spielte, meinte Gastgeber Ruben Schnell: „Wenn man Billy Childish hört, fällt einem erst auf wie Bubblegum die Sex Pistols doch waren.“. Aber es ist nicht nur der kompromisslose Musikstil und die Nichtproduktion, die Childishs Songs zu dem ewigen Garagen Punk machen, es ist auch seine Verweigerung gegenüber jeglichen Mainstream-und Major-Mechanismen. Selbst als Garage Punk die Musik der Stunde war und Jackie White Lobpreis auf den alten Mann sang, spielte Childish weiterhin in seine Erstweltkriegsuniform gekleidet, ohne sich verlocken zu lassen, den Fleischtöpfen des Musikbusiness Hallo zu sagen.
Dafür hat Childish sich eine außergewöhnliche Gefolgschaft erspielt. Welche Band kann schon von sich behaupten, nicht nur eine sondern gleich zwei weibliche Tribute-Bands zu haben? Holly Golightlys erste Schritte fanden in der All-Girl-Band Thee Headcoatees statt, The Buffets covern ausschließlich Childish-Songs und der heute vorgestellte Song wiederum wurde von Eddie Argos als Refrain für seinen Deutschland-Song „St. Pauli“ entliehen.
Punk Rock Ist Nicht Tot ist natürlich wiederum eine Replik auf den beliebten Bahnhofs-Punk-Spruch „Punk’s Not Dead“ der seine Existenz wiederum den one-chord-wonders The Exploited zu verdanken hat. Die alten Anarchisten von Crass dagegen waren vor Exploited in der frühen Punk-Zeit schon der Meinung, dass jener längst verschieden sei. Childishs Antwort darauf ist der hypnotische „Punk Rock Ist Nicht Tot“ Track, der sicherlich nicht als reine Affirmation eines sich verselbstständigten Punkrockgedankens zu sehen ist.
Weiterhören & Kaufen:
* "My First Billy Childish Album": sehr gelungener Kurzüberblick über die verschiendenen Billy Childish Phasen, natürlich bei der Menge an veröffentlichtem Material nicht annähernd vollständig oder als "best of" zu betrachten. (kaufen)
* "The Messerschmitt Pilot's Severed Hand": hervorragendes Thee-Headcoats-Album, das durchweg überzeugt (leider derzeit out of print)
Punk Rock Ist Nicht Tot, also. Bei Childish mit Sicherheit nicht. Als ich vor einigen Wochen bei ByteFM Childishs „Fun In The UK“ direkt hinter dem Punksong schlechthin „Anarchy In The UK“ spielte, meinte Gastgeber Ruben Schnell: „Wenn man Billy Childish hört, fällt einem erst auf wie Bubblegum die Sex Pistols doch waren.“. Aber es ist nicht nur der kompromisslose Musikstil und die Nichtproduktion, die Childishs Songs zu dem ewigen Garagen Punk machen, es ist auch seine Verweigerung gegenüber jeglichen Mainstream-und Major-Mechanismen. Selbst als Garage Punk die Musik der Stunde war und Jackie White Lobpreis auf den alten Mann sang, spielte Childish weiterhin in seine Erstweltkriegsuniform gekleidet, ohne sich verlocken zu lassen, den Fleischtöpfen des Musikbusiness Hallo zu sagen.
Dafür hat Childish sich eine außergewöhnliche Gefolgschaft erspielt. Welche Band kann schon von sich behaupten, nicht nur eine sondern gleich zwei weibliche Tribute-Bands zu haben? Holly Golightlys erste Schritte fanden in der All-Girl-Band Thee Headcoatees statt, The Buffets covern ausschließlich Childish-Songs und der heute vorgestellte Song wiederum wurde von Eddie Argos als Refrain für seinen Deutschland-Song „St. Pauli“ entliehen.
Punk Rock Ist Nicht Tot ist natürlich wiederum eine Replik auf den beliebten Bahnhofs-Punk-Spruch „Punk’s Not Dead“ der seine Existenz wiederum den one-chord-wonders The Exploited zu verdanken hat. Die alten Anarchisten von Crass dagegen waren vor Exploited in der frühen Punk-Zeit schon der Meinung, dass jener längst verschieden sei. Childishs Antwort darauf ist der hypnotische „Punk Rock Ist Nicht Tot“ Track, der sicherlich nicht als reine Affirmation eines sich verselbstständigten Punkrockgedankens zu sehen ist.
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* "My First Billy Childish Album": sehr gelungener Kurzüberblick über die verschiendenen Billy Childish Phasen, natürlich bei der Menge an veröffentlichtem Material nicht annähernd vollständig oder als "best of" zu betrachten. (kaufen)
* "The Messerschmitt Pilot's Severed Hand": hervorragendes Thee-Headcoats-Album, das durchweg überzeugt (leider derzeit out of print)
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